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Pedelec bzw. e-bike Selbstbau

Aus einem vorhandenen Fahrrad mit einfachen Einzelteilen aus dem Baumarkt und einigen wenigen aus dem Internet ein Pedelec bzw. E-bike selbst bauen.

 

Das altes Trekking-Rad ist noch gut in Schuss. Da ich aber nun schon die 70 Jahre überschritten habe, denke ich auch schon mal an ein E-Bike. Aber die erschwinglichen Modelle sind ausgesprochen schwer (25 kg). Nicht auszudenken diese auf einen Fahrradträger am Auto zu hieven oder am Bahnhof treppauf zu schleppen. Wenn der Akku unterwegs seinen Geist aufgibt, ist das Rad nur noch für durchtrainierte Radfreaks zu bewegen. Nun fahre ich hauptsächlich Strecken ohne große Steigungen auf Ebenen oder an Flusstälern entlang, so dass zum sportlichen Fahren kein Antrieb nötig ist. Aber an wenigen Stellen der Tour muss man auch mal das Tal verlassen, da der Weg in Ufernähe unpassierbar ist. Und nach der Tour, wenn man so richtig ausgepowert ist, muss noch der Hausberg mit 50 m Höhe bewältigt werden.
Nun kam die Idee für diese Fälle einen einfachen Antrieb mit einem E-Motor anzubauen. Ich erinnere mich, dass es schon zu meiner Jugendzeit in Frankreich Antriebe mit Verbrennungsmotor auf dem Vorderrad gab. Aber im heutigen E-Zeitalter kommt natürlich nur ein Elektroantrieb in Frage. Aus fahrdynamischen Gründen soll der Motor am Hinterrad angreifen, also bietet sich die Befestigung am Gepäckträger an. Der Elektromotor wird im Internet bestellt und mithilfe einfacher Bauteile aus dem Baumarkt oder dem Internet angebracht. Das Problem war aber, der Antrieb darf beim normalen Fahren möglichst wenig stören und schon gar nicht den Gepäckträger beeinträchtigen. Die Lösung, ein Schwenkmechanismus, der mit einem handelsüblichen Bremshebel via Bowdenzug das Reibrad an den Reifen presst. Der Motor wird also nur bei Bedarf gestartet und dann während des Fahrens am Fuß des Berges zugeschaltet. Die Montage war mit einfachen Werkzeugen aus dem Fundus eines Hobbybastlers zu bewerkstelligen.
Bei den ersten Probefahrten zeigte es sich, dass ein vorhandener Akku eines Bohrschraubers eine Reichweite von 3 km bei einem Höhenunterschied von 300 m schaffte. Dies wird für eine Tagestour reichen. Sicherheitshalber kann man auch einen Ersatzakku mitführen oder einen mit höherer Kapazität kaufen.
Jetzt war nur noch die rechtliche Situation zu klären. Ist so ein selbstgebastelter Antrieb überhaupt im Straßenverkehr zulässig?
Eine Recherche brachte das Ergebnis, dass nach EU-Recht zwei oder dreirädrige Fahrzeuge unter folgenden Bedingungen genehmigungsfrei sind:

"Fahrräder mit Pedalantrieb mit Trethilfe, die mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer maximalen Nenndauerleistung von bis zu 250 W ausgestattet sind, dessen Unterstützung unterbrochen wird, wenn der Fahrer im Treten einhält, und dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und unterbrochen wird, bevor die Geschwindigkeit des Fahrzeugs 25 km/h erreicht"
Quelle: https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/pedelecs-bis-250-watt-gelten-als-genehmigungsfreie

Mein Rad entspricht also allen Erfordernissen, nur der Antrieb ist nicht mit der Pedalbewegung gekoppelt. Mithilfe eines handelsüblichen Schaltrelais und eines Reedkontaktes wird jetzt bei Stillstand der Pedale der Motor innerhalb von weniger als einer Sekunde abgeschaltet.
Jetzt nach 800 km Fahrleistung hat es sich gezeigt, dass der Antrieb robust allen Anforderungen gewachsen ist, obwohl eine Reparatur natürlich durch den Eigenbau einfach zu bewerkstelligen wäre. Der Reifenverschleiß erwies sich als unauffällig, wenn der Motor nicht gerade im Stillstand eingreift oder gar die Drehrichtung verkehrt ist.

Der Antrieb bringt dem Rad ein Zusatzgewicht von nur 1,5 kg. Für den verwendeten Akku kommen noch 0,5 kg dazu. An Kosten entstehen ohne Akku ca. 150 €. Der Akku dürfte mit Ladegerät auf ca. 40€ kommen. Mich hat das Ganze aber über 500 € gekostet, bis ich die optimalen Komponenten zusammen hatte.
Deshalb biete ich für 15€ eine ausführliche Bauanleitung für zwei Varianten (Herren-,Damenfahrrad) mit Stückliste und Bezugsquellen an:
ph.bike-power@gmx.de

 

Funktioniert das überhaupt? Unglaublich?

Beispiel für einen Radtour am Mittwochnachmittag:

Siegen-Netphen-Deuz-Walpersdorf immer an der Sieg entlang ohne Antrieb ca. 100 Höhenmeter und 20 km. Dann Aufstieg ins Rothaargebirge, völlig entspannt mit Motorunterstützung, bis zur Siegquelle 3,5 km 200 Höhenmeter. Rückweg über Forsthaus Hohenroth (Ederquelle) mit teilweise Motorunterstützung, dann bergab Netphen- Siegen. Gesamte Tour ca. 4 h 50 km 300 Höhenmeter. Der 3Ah Akku hat es knapp geschafft, also sicherheitshalber nächstes Mal mit Ersatzakku fahren.